| ALFRED GRÜNWALD |
| Ausstellungsartikel - eine Auswahl |
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1.
Martinach: Manoir, Confédéré 13.März 1956 |
| Folgend eine Auswahl von Ausstellungsartikeln, die Zeugnis ablegen vom Schaffen, Ringen, Wachsen und Reifen des Malers Alfred Grünwald. Sie erscheinen wie im vergriffenen Buch von Arnold Pfammatter in chronologischer Reihenfolge stellvertretend für viele andere Artikel die in der hiesigen, welschen und deutschsprachigen Presse publiziert wurden. |
| 1. Martinach: Manoir, Confédéré 13.März 1965 |
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Depuis dix jours, le jeune peintre Alfred Grünwald, de Brigue, expose à Manoir de Ville de Martigny. Je regrette de n'avoir pu visiter plus tôt cette exposition et d'arriver presque à la veille de sa clôture pour la recommander auf public.C'est certrainement une des plus intéressantes que la Galerie des Artistes ait organisées et il convient de féliciter son principal animateur de nous avoir révélé un authentique talent valaisan. Alfred Grünwald va fort. A considérer le temps extrêmement court écooulé depuis qu'il s'est mis à la peinture, on reste confondu devant le résultat. Certes, cette montée en flèche, cette volonté impatiente à s'exprimer s'entachent encore d'un certain désordre intérieur, d'inexpérience que sa jeunesse font excuser. Mais la poussée semble irrésistible et lorsque'il aura discipliné un tempérament parfois enclin à d'éruptives impulsions et qu'il aura su dépouiller un peu mieux encore le motif de surcharges dépoourvues d'intérêt, on assistera à un épanouissement qui étonnera peut-être ceux qui reconnaissent déjà en lui une personalité. Sa nature, en tout cas, apparaît généreusement et le trait dominant demeure sa sincérité. Elle frappe et, sans hésitation, arrache le consentement du visiteur. Rien d'apprête dans ses personnages qu'il campe dans des attitudes en marge du conventionnel et qui acquièrent un poids et une franchise indéniables. Ses "Jeune homme muet" et "Jeune homme aux manches courtes", autant par leur statique que leur expression, parlent un langage direct; de même son "Homme avec la pipe", d'une grande hardiesse unitonale, ou ses trois toiles de "Femmes". Grünwald voit grand dans ses plans et dans ses touches. L'espace est nécessaire pour recréer le champ de sa vision. Il utilise une matière drue, franche et ne s'attarde pas à un léché mignard. Ses masses surgissent d'une pièce, vigoureuses, à la mesure du sujet. Les montagnes ont une telle âpreté sous le tourment de leurs ciels, à peinte tempérées par le vert des premiers plans, qu'elles ne pouvaient avoir pour auteur qu'un enfant de chez nous. Mais il sait également peindre la sérénité d'un "Après-midi d'été" d'une belle construction linéaire et d'un bel équilibre. Il faudrait citer beaucoup de choses encore: ses intérieurs lumineux, ses deux "Forges", l'inimité d'un coin d'atelier, son "Intérieur chez Adèle" - que je considère comme la meilleure pièce de l'exposition - ses compositions et natures mortes et tant d'autres oeuvres qui reflètent diversément la technique et l'esprit de l'artiste. Parfois, il n'épuise pas le sujet d'un seul coup. Ainso, il s'y prend à trois pour traiter la "Fenêtre de l'atelier" ou un paysage familier du Simplon. Avec un égal bonheur, les trois thèmes soumis sont révélateurs de qualités sûres et de fécond renouvellement. Pour sa distraction uniquement et non pour la nôtre, il a peint une "Nativité" d'une manière et d'un ton qui ne lui conviennent guère et qu'il peut abondonner sans regret. Ils dérooutent après l'élan que nous livrent ses autres toiles. Que les amateurs de belle peinture et le public profitent du passage d'Alfred Grünwald chez nous. C'est un nom qui ne va pas tarder à s'affirmer. Retenons-le. ab. |
| 2. Zürich: Galerie Kirchgasse - NZZ vom 30.April 1959 |
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Von den zwei Dutzend Bildern, mit denen sich Alfred Grünwald in der Galerie
Kirchgasse vorstellt, erinnert nur die etwas allgemein gehaltene "Briger
Landschaft" daran, dass der Maler aus dem Wallis kommt. Etwas Seltenes ist
seine fast ausschliessliche Konzentration auf figürliche Motive, und noch
seltener seine Hingabe an oft und oft gemalte bilblische Themen.
Durch wuchtige Vereinfachung, starke Farbigkeit und Betonung von Physiognomie ausdrucksbetonte Gestaltungen gegenüberzustellen. Diese erinnern hie und da an die Überakzentuierungen des Expressionismus, gelangen aber auch zu innerer Sammlung, so etwa bei der stummen Verzweiflung des Judas oder der Beklemmung des Petrus im Augenblick der Verleugnung. Mit steifer Würde sieht König David die Versuchung herannahen; in heftigem Gewoge ereignet sich der "Sturm auf dem Meere". Das Empfinden für landschaftliche Atmosphäre findet seinenn Ausdruck in der blauen Mondnacht von "Jesus wandelt (nicht "wandert") auf dem See" und in dem unheimlichen Düster, das die "Schlafenden Apostel umgibt. |
| 3. Zürich: Galerie Kirchgasse - Volksrecht Zürich, 11.Mai 1969 |
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Etwas erstaunt steht man in der Galerie Kirchgasse vor lauter biblischen Motiven
und einer Kunst, die heftig Einkehr in sich selbst und Überstieg zu Gott
fordert. Und inmitten dieser Christus-, Apostel- und Engelfiguren hört man die
Worte des Thomas von Aquin: "Die specier impressa ist Sache der sündigen
Menschen, die species expressa ist Sache der Engel und der vom Körper befreiten
Seelen." Wirklich der Expressionismus ist nicht tot, der Flecklimalerei zum
Trotz. Alfred Grünwald, ein Oberwalliser, vertritt sein altes Recht aufs neue.
Wie einst Nolde in seinen religiösen Bildern, versucht er, Figuren mit innerster seelischer Vertiefung in einem höchsten Grad ekstatischen Ergriffenseins darzustellen. An Stelle der Verfeinerung und Bereicherung der malerischen Mitteln herrscht eine Formvereinfachung auf das Unerlässliche und Monumentale, betont durch einfache Gesten, hintenüberliegende Köpfe, aktive Farben und heftige Farbkontraste. Vor einer grossen leeren Wand ein bestürztes Gesicht und auf der anderen Seite ein Fenster mit drei fernen Kreuzen, das ist alles, was Judas'Verzweiflung gestaltet. Nur selten, etwa dort, wo Jesus auf dem See wandelt, deutet sich eine atmosphärische Stimmung an. rs. |
| 4. Sitten: Galerie Andenmattern - Walliser Bote, 5.Oktober 1965 |
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Die Grünwald-Ausstellung in der hiesigen Galerie Andenmatten gibt
erfreulicherweise unter dem kunstfreudigen Publikum zu lebhaften Diskussionen
Anlass. Dem kindlich-wilden Spiel mit reinen Farben, dem sich der begabte Briger
Maler seit einigen Jahren hingibt, sind wieder eine stattliche Reihe von Bildern
entsprungen, die keinen Betrachter unberührt lassen. Die Skala der
Reaktionen reicht denn auch von leidenschaftlicher Ablehnung über
mitleidiges Kopfschütteln und kindliche Verwunderung bis zu begeisterter
Zustimmung.
Vor den Grünwaldschen Bildern denkt man unwillkürlich an den berühmten Ausspruch von Matisse: "Man muss zeitlebens so sehen können, wie man als Kind die Welt sah." Diesen kindhaften Blick hat sich Grünwald in ungewähnlichem Masse bewahrt - so sehr sogar, dass auch der folgende kindische Kommentar eines banausenhaften Besuchers noch irgendwie verständlich ist: "Solche Klecksereien könnte mein Söhnchen ebenso gut machen." Der Kunstfreund allerdings, der an den Umgang mit guten und schlechten, echten und künstlichen Bildern gewöhnt ist, merkt auf den ersten Blick, dass hinter dieser Kindlichkeit eine starke Persönlichkeit wirkt, eine echte Künstlernatur, die sich bewusst ist, dass die Malerei mitnichten liebliche Naturtreue anstrebt, sondern erst dort entsteht, wo kindhafte Unbekümmertheit vor dem Motiv und persönlicher Mut zum Ausdruck am Werke sind. Just dies meinte überigens Matisse mit seiner vielzitierten Aussage. Und wie diesem grossen Wegbereiter der modernen Kunst geht es auch dem bekannten Briger Maler - in seinen hochdekorativen Landschaften und Gartenstilleben wie in seinen kühn hingeworfenen Freskobildern - um eine möglichst intensive Synthese zwischen strenger Einfachheit der Komposition und starker Leuchtkraft der Farben. In den besten der ausgestellten Bildern ist ihm diese Synthese nach der Meinung bekannter Kunstkenner weitgehend geglückt. b. |
| 5. Sitten: Galerie Andenmatten - Volksfreund 1965 |
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Die Verwandschaft mit Nolde ist unverkennbar. Ähnlich wie bei diesem Meister des nordischen Expressionismus verläuft auch seine Entwicklung: die Farbgebung, die vor zwei, drei Jahren noch so ungestüm, ja zügellos war, ist stärker und gelöster geworden. Im Gegensatz zu Nolde sind allerdings Grünwalds Farben öfter von klaren Umrissen gebändigt. Seine Landschaften, deren Motive aus dem Oberwallis stammen, erinnern auf den ersten Blick an die monumentalen Gebirgslandschaften von Kirchner. Während aber letztere zugleich symbolische Gefilde bedeuten, neigen diejenigen von Grünwald mehr zum Dekorativen (womit beileibe nichts Negatives gemeint ist). Dies zeigt auch in seinen Gartenstilleben, wo - beispielsweise im prachtvollen Bild "L'arbre de Robinson" - die Verwandschaft mit Matisse ans Licht kommt.Ebenso dekorativ sind seine kleinen Freskostudien: die Stilleben sind von herrlicher Frische, während die religiösen Bilder an die altitalische Malerei erinnern. Überhaupt die Grünwalds Malerei in letzter Zeit beschaulicher und harmonischer geworden. Seine Bilder sind auch strenger durchkomponiert wie früher, und die heftigen Kontraste von reinen Farben beginnen immer mehr einer zarten Modulation zu weichen. (Eines seiner jüngsten Bilder - "Blick ins Rhonetal von Leuk aus" - mutet neben dem barock-zerwühlten gleichnamigen Bild von Kokoschka geradezu klassisch an.) So ist es verständlich, dass Grünwalds Malerei nunmehr auch in den welschen Kunstkreisen vermehrtem Interesse, ja auch schon freudiger Anerkennung begegnet. Dabei zeigte sich männiglich ob dem Gebotenen freudig überrascht. So erklärte der hochkotierte Maler Albert Chavaz von Savièse spontan: "Ich schätze Grünwalds Malerei sehr. Da steckt wirklich was dahinter." Tatsächlich hat Alfred Grünwald in letzter Zeit merklich an innerer Sicherheit gewonnen; dies zeigt sich in der Komposition und Farbgebung, wie an der inneren Lebendigkeit seiner Bilder. Neben seinen grossen Landschaften, die von ungewöhnlicher dekorativer Wirkung sind, fanden auch seine kleinen Fresken, die teilweise hervorragend sind, viele Bewunderer. Für unser Hauptstädtchen bedeutet diese Ausstellung jedenfalls ein künstlerisches Ereignis, das kein Kunstliebhaber versäumen sollte. -tt- |
| 6. SAG-Gründungsausstellungen in Brig und Visp: WB, Dezember 1968 |
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Nun hängen sie wieder, die Werke des unvergesslichen Alfred Grünwald. Alle, ob sie noch den Nachgeschmack der florentinischen Akademien in sich bergen, ob sie einzige Zuckung sind von Farben und Figuren, ob sie ausmünden in symbolische Farbenmeere oder die Welt impressiv-lyrisch verklären, tragen sie Zeichen eines impulsiven, sich verglühendem Lebens, einer uneindämmenden Freunde an der Farbigkeit der Dinge und eines unbezähmbaren Dranges, Natur und Übernatur durch den Pinsel fliessen zu lassen. Nicht alles ist Harmonie, nicht alles Einheit, aber alles ist Leben. Die Landschaft des Wallis, schon oft romantisiert und verzuckert, wird aus ihrem Klischeebild herausgerissen: sie zeigt sich furchterregend, dämonisch mit zentnerschweren Nebelschwaden, mit schwarz-grünen Wäldern, die zum Symbol der Angst und des Unheils werden, mit masslosen und hasserfüllten Schluchten, die keine Rücksicht mehr nehmen auf Schönheit. Es gibt aber auch andere, in denen das Licht derart durchbricht, dass es in andere Welten versetzt, chromgelb bis zur Unterträglichkeit. Keine Landschaft mehr für die Menschen, wohl aber für in Licht getauchte überirdische Wesen, die von den ultramarinblauen Bergen herabsteigen. Lodernde Föhren auch, blau durchzogen, Wälder, die in ihrer Farbe verbrennen. Und anderswo zeigt sich eine fast naive Handschrift, die kündet vom einfachen Sein der Dinge oder die das Glück des Daseins besingt, in lyrisch milden Farben. Höhepunkt wird erreicht in den Tafeln, die andere Welten verkünden, die erfüllt sind vom Heilsgeschehen und dem ewigen Geheimnis des Menschen. Bilder sind da, die noch von der Ergriffenheit zitten mit aufschreienden Farben, zerrissenen Gesichtern und aufgelöster Leiblichkeit. Heil und Unheil steht dicht beieinander und jagen sich gegenseitig durch dunkle Brau, Rot und Grün. Die Formprobelem lösen sich von selbst. Andere deuten in erstaunlicher Strenge und harter Abgrenzung der Farben hin auf Sein, das sich nicht einfangen lässt. Hier schimmert Zögern durch, Unsicherheit und Sorge und die Komposition. Das Impulsive, das Spontane hat im Hintergrund zu warten. Und wenn es durchbricht, dann kehrt auch Harmonie und Guss. Unbekanntes zeichnerisches Können offenbart sich meisterhaft in den Porträts, die noch im Bann der Florentiner Schule stehen. Das Können wird weggeworfen, um tiefer zu sehen, vorzudringen in verborgene Bereiche der Person. Es ist nicht immer leicht, die Maske wegzureissen und hinunterzutauchen, die Form aufzugeben, die man beherrscht. Aber es gelingt immer wieder, die Schale aufzubrechen, Verborgenes offenbar zu machen, zunächst in Farben darzulegen. Nur in der Spannung zwischen Diesseits und Jenseits, zwischen Nord und Süd, zwischen Trauer und Fröhlichkeit, zwischen Formwille und impulsivem Schaffensdrang, zwischen Drang nach aussen und Sehnsucht nach innen konnte sich dieses Leben entfalten, das überzeugend Neues gestaltet und keinen Halt und auch keinen Kompromiss kennt. Nur den Künstlern ist es gegeben, landläufige Dimensionen zu sprengen, Dinge zu sehen, die keiner sieht, an Wunder zu glauben, wo es keine gibt. marco volken |
| QUELLE: Alfred Grünwald - Der Mensch - Das Werk - Die Stiftung, Brig 1976, Rotten Verlag (vergriffen), S.39ff. |