ALFRED GRÜNWALD 
früh abberufen - früh vollendet

1. IN DE KUTLURGECHICHTE DES OBERWALLIS 
2. WERDEN UND WACHSEN 
3.
BIS ZUR VOLLENDUNG 
4. ÜBER DEN TOD HINAUS 

Vor fünfundzwanzig Jahren, am 14.August 1966 starb im Regionalspital Sta Maria in Visp, erst 37jährig, der Briger Künstler Alfred Grünwald , ein begnateter Maler. Am 19.Oktober 1991 gedenkte man seiner: Feier, Preisverleihung, Ausstellungen. 
1. IN DER KULTURGECHICHTE DES OBERWALLIS ...
In der Kulturgeschichte des Obewallis standen die Maler nie auf Platz eins. "Maler zu werden im Oberwallis, war damals ein Entschluss, der in den Ohren der Bekannten tönte, wie "auf den Nordpol eine Gärtnerei eröffnen", schrieb 1965 Marco Volken im "Walliser Boten". Nichtdestotrotz entschied sich der junge Alfred Grünwald für eine künstlerische Betätigung, nicht wissend, dass der Schöpfer ihm dafür nur eine kurze Zeitspanne von zwanzig Jahren zuzumessen gedachte. Unter den damaligen Umständen, bei Kriegsende und fragwürdigem Friedensbeginn, begleitete den Pöstlerbuben denn auch nicht ein prall gefülltes Reise- und Wanderbündel, wohl eher der Segen des Vaters Karl, die Wünsche der Mutter Anna und das Einverständnis der beiden, als Alfred 1946 nach Italien aufbrach, sein geliebtes Handwerk zu erlernen.
2. WERDEN UND WACHSEN 

Alfred Grünwald war der erste Oberwalliser Künstler der jungen Generation und hat das Künstlertum konzessionslos gelebt. Während die Künstler der vorangehenden Generation die Kunst eher nebenamtlich ausführten, wagte er, ausschliesslich der Kunst zu leben. 

Die Aufträge flossen damals spärlich, und hätte Grünwald nicht jeweils aus dem Kochtopf der Mutter seinen Teil herausfischen können, so wäre er sicher ein "Märtyrer der Kunst" geworden.

Nach Lehr- und Wanderjahren in Italien und Frankreich fand der junge Künstler 1951 mit Hilfe seines Freundes Hans Loretan sein Atelier in der oberen Burgschaft von Brig, und begann zu malen: er stürzte sich förmlich auf die Landschaften der geliebten Heimat und goss sie in wildbewegte Formen. Oder er malte in schweren Farben nach spätimpressionistischer Art Bildnisse von Leuten, die er kannte oder ihm zufällig begegneten.

Die Leidenschaft trieb ihn 1954 erneut nach Paris, wo er sich mit der Glasmalerei vertraut machte. Die Farbigkeit seiner Bilder eignete sich vortrefflich für die Glasgemälde, und darin war Alfred ein Meister. 

Unverständlich und schmerzhaft waren darum die harten Kritiken von Laien und vermeintlichen Sachverständigen, sobald sich der Künstler vermehrt der Monumental- und Glasmalerei zuwandte.

3. BIS ZUR VOLLENDUNG

Marco Volken zu weiteren Stationen in Grünwalds Leben: "1954 wieder in Brig, steht für Grünwald die Porträtmalerei im Vodergrund. Das menschliche Gesicht ist für ihn nicht nur Oberfläche oder eine plastisch gestaltete Farbfläche: die Tiefe, der Hintergrund, der Mensch, der sich hinter dieser Maske verborgen hält, fesselt ihn. 

Das Jahr 1957 findet der Briger in Florenz, wo er seine längst erwachte Liebe zum frühen Mittelalter stillen kann ... Das Eidgenössische Kunststipendium (1953), die Wettbewerbspreise (Technikum Luzern, Wandmalerei PTT in Ostermundigen) sowie die Erfolge der verschiedenen Ausstellungen im Stockalperschloss, in Martinach, in Sitten (1960 und 1963), in Zürich (1959) wie auch die mannigfaltigen Aufträge (...) waren Bestätigungen eines künstlerischen Talents".

Inszwischen hatte Alfred Grünwald sein fünfunddreissigstes Lebensjahr überschritten. Nach einer Zeitspanne von zwei Jahrzehnten des Mühens, Reifens und Strebens, gepaart mit dem Kampf ums Überleben, begann sich Alfred Grünwald durchzusetzen. Anerkennung wurde ihm auch ausserhalb eng zusammengezogener regionaler Grenzen zuteil.

Die Schaffensperiode 1964/65 erhielt nicht nur durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Briger Burgschaft neue Impulse, sondern auch sein persönlicher Lebensbereich bekam neuen Gehalt durch Lucia, die gewillt war, vorbehaltlos und freudig den Weg des Alfred Grünwald mitzugehen. Und doch begann genau in dieser Phase vollsten Glücks, unmittelbar vor Vollendung und Erfüllung, Grünwalds Leidensweg: 

Untersuchungen, Spritzen, schlaflose Nächte, dann das Urteil - für Ärzte jeweils unabänderliche Gewissheit, für Patienten aber vage Hoffnung. Der Kreuzweg des Malers Alfred Grünwald ging nach beschwerlicher und qualvoller Zeit des Hoffens und Bangens am 14.August im Regionalspital Visp zu Ende.

4. ÜBER DEN TOD HINAUS

Schaffen und Werk des Künstlers Alfred Grünwald stellen ein wertvolles Kulturgut dar, das über die Regionalgrenzen hinaus Anerkennung fand. Es galt daher, dieses Gut nicht nur einer breiteren Öffentlichkeit durch permanentes Ausstellen zugänglich zu machen, sondern auch für kommende Generationen zu bewahren.

Diese Überlegungen haben denn auch kurz nach dem Tode von Alfred Grünwald seine Angehörigen, seine Freunde und die Bewunderer seiner Kunst bewogen, eine Stiftung gleichen Namens zu errichten. Die Alfred Grünwald Stiftung, die von Felix Grünwald, einem Bruder des Verstorbenen, (bis zur Nachlassübereignung 1992) präsidiert wunrde und unter dem Patronat und der Aufsicht der Gemeinde und der Burgerschaft steht, bezweckt

  • die Vereinigung eines repräsentativen Teils des Werkes von Alfred Grünwald in einer Hand in Brig;
  • die Sorge für die Erhaltung dieses Werkes;
  • den Einsatz dafür, dass dieses Werk den Kunstfreunden und der einheimischen Bevölkerung in angemessener Weise zugänglich gemacht wird;
  • die kunstwissenschaftliche Betreuung des Gesamtwerkes von Alfred Grünwald,
  • einen Alfred Grünwald Preis für Kunstschaffende periodisch auszusetzen.

Zur Errichtung der Stiftung widmete die Erbgemeinschaft Alfred Grünwald 72 Werke des Künstlers, von denen sich heute ein grosser Teil in öffentlichen Gebäuden oder in Vermietung im Privatbesitz befindet. 1992 kamen nochmals 153 gerahmte Gemälde und 174 Zeichnungen mit Passpartout sowie 7 Mappen mit Zeichnungen, Lithos und Skizzen hinzu, welche im Gegensatz zu den 72 Stiftungswerken käuflich sind und dessen Erlös dem Alfred Grünwald Kunst-Preis und der Errichtung eines Kunst-Stipendiums zu Gute kommt.

QUELLE: ZEITSCHRIFT WALLIS, Oktober/November 1991,S.42-45

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