| Ein Gespräch mit dem Künstler |
| Marco Volken interviewt Alfred Grünwald - Walliser Bote 25.1.1965 |
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Haben Sie irgend ein Verhältnis zu den alten Walliser Malern? Ich habe Freude an den schönen Barockbildern, wie sie z.B. in der Sebastians- oder Ringackerkapelle zu sehen sind; ich sehe auch die romatisch-realistischen Bilder von Raphael Ritz gern und liebe die Bilder von Lorenz Ritz, obschon seine Unsicherheit im Schöpferischen eigentlich erstaunlich ist. Von einem besonderen Verhältnis kann ich wohl nicht reden. Gibt es eine Gemeinsamkeit unter den heutigen Oberwalliser Malern? Man könnte viel eher von grundlegenden Verschiedenheiten in den Ansichten über die Malweise sprechen, obschon wir ja persönlich eng verbunden sind. Es besteht sicher eine gewisse Motivverwandschaft, bedingt durch den Aufenthalt in der gleichen Landschaft. Gemeinsamkeiten könnte man auch in der Gestaltungsart aufweisen: die Glasmalerei, die keramische Dekoration und das Mosaik sind uns gemeinsam und für die Arbeiten haben wir in der Walliser Künstlergeschichte keine Vorbilder. Glauben Sie, dass ein Maler hier im Wallis von seiner Kunst leben kann? Füher hätte ich gesagt: Nein. Ich bin noch nicht verhungert, was Ihre Frage schon irgendwie beantwortet! Ob das so weitergeht, weiss ich allerdings nicht. Ich verkaufe verhältnismässig wenig Bilder, aber im Verhältnis zur relativ kleinen Bevölkerung ist es in sich gewiss nicht wenig. Ich kann den Wallisern nicht zumuten, dass sie mich am Leben erhalten, und darum finde ich es wichtig, dass der Walliser Künstler die Berge zu übersteigen sucht, was Werner Zurbriggen und ich übrigends mit unserer Ausstellung in Zürich getan haben. Im Wallis waren meine "goldenen" Zeiten damals, als ich die Aufträge für die Glasmalerei bekam: vorher habe ich vegetiert und auch jetzt könnte ich vom Verkauf der Tafelmalerei allein nicht leben. In diesem Zusammenhang möchte ich noch beifügen: es ist für einen Walliser Künstler erschreckend, wie viele öffentliche Gebäude man errichtet, ohne auch nur einen Versuch zu machen, sie künstlerisch auszuschmücken. Während in manchen anderen Kantonen zum Beispiel kein Schulhaus ohne iregend einen Schmuck errichtet werden darf, sind bei uns die meisten reine Zweckbauten, in der jede Kunst Luxus ist. Können Sie uns etwas sagen über Ihre Malweise? Der Maler sollte meiner Ansicht nach kein allzu grosser Theoretiker sein, und ich ziehe die spontane, expressive wie dynamische Malweise vor. Auch mache ich mir keine "schweren" Sorgen um die technischen Aspekte der Malerei. Es ist mir am wohlsten, wenn ich frisch aus mir heraus schaffen kann, ohne beständig in Sorge um "Richtung" oder Qualität zu sein: ich will nicht der Sklave einer Theorie sein, was nicht heissen will, dass ich nicht versuche, in Form und Gestaltung stets "Ordnung" und Gleichgewicht zu halten. Mir ist viel lieber, wenn die Bilder lebendig und frisch wirken, als dass ihnen eine Art von Perfektionismus anhaftet; darüberhinaus möchte ich sagen, dass eine spontane und skizzenhafte Malweise bei einer dekorativen Malerei geradezu notwendig ist: man darf den spontanen Strich nicht mit Unfertigkeit verwechseln. Glauben Sie, dass Ihre moderne Art des Malens dem Walliser Publikum zugänglich ist? Mit grosser Freunde erleben ich immer wieder, dass vielfach gerade einfache Leute Zugang finden zu meinen Werken, wie ich das vor allem im Zusammenhang mit meiner Glasmalerei feststellen konnte. Sehr viele Ihrer früheren Bilder greifen religiöse Motive auf. Wie kommen Sie zu diesen Themen? Ich betrachte die Bibel immer noch als eine Fundgrube wunderbarer "Vorbilder". Und diese reizen mich zur Gestaltung, wie ja übrigens viele Künstler unseres Jahrhunderts zurückgegriffen haben auf den Überreichtum des Alten und des Neuen Testamentes. Lieben Sie Porträtmalerei? Ja und nein. Einerseits gibt es ja nichts Hintergründigeres und Tieferes als das Antlitz des Menschen, andererseits ist sie eine überaus heikle Angelegenheit, weil die Haltung des Kunden nirgends subjektiver ist und sein kann als gerade in der Porträtmalerei. Was zieht Sie an der Glasmalerei an? Es ist einmal die Monumentalität, zu der ich mich besonders hingezogen fühle, dann aber auch die einzigartige Möglichkeit, mit Licht und Farben zu spielen, die schon etwas Überirdisches, Poesievolles hat. marco volken |
| Quelle: Alfred Grünwald: Der Mensch-Das Werk-Die Stiftung, Brig 1976, Rotten Verlag (vergriffen), S.35f. |