| Religiöse Tafelbilder |
| Dr.Waler Ruppen, Kunsthistoriker und Stiftungsratsmitglied der ersten Stunde |
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1.
Leidenschaftlicher Griff nach der Realität ... 2. Das Problem des Bösen ... 3. Die Farbe fügt sich abstraken Bildgesetzten ... 4. Dann kam die Beruhigung ... 5. Rouault - nun Matisse - Gehr und etruskische Einflüsse ... 6. Der Kreuzweg wurde nun das grosse Thema ... 7. Welche Richtung die religiöse Malerei eingeschlagen hätte ... 8. Wäre die Epoche der religiösen Maleri abgeklungen ... |
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Chronologisch beginnt die Reihe der religiösen Gemälde mit dem ergreifenden "Sündenfall" des Jahres 1957, in dem der Engel wie ein brennendes Wrack vom Himmel fällt. Einbruch des Religiösen beim Einbruch des Bösen, Kehrseite ei- und derselben Medaille? |
| 1. Leidenschaftlicher Griff nach der Realität ... |
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Bei Grünwald fiel das religiöse Erlebnis mit einem leidenschaftlichen Griff nach der Realität, nach dem Leben zusammen. Das lässt die nach 1957 einsetzende Entwicklung seiner Malerei klar erkennen. so wird das Jahr 1959 mit seinem kraftvollen religiösen Werken auch das Jahr der (Farb-)Materie sein. Nie wie in diesem Jahr hat der Maler dermassen breit Pinsel und Spachtel geführt, in der Farbe geknetet, in ihr gewühlt |
| 2. Das Problem des Bösen ... |
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bieb weiterhin gegenwärtig. Die "Verleugnung des Petrus" und der ergreifende, in seiner Verzweiflung versinkende "Judas" tauchen in die farbliche Dunkelheit des Bösen. Während der Maler für den sinkenden Zweifler Petrus Weiss und das Blau des Meeres wählte, lodert im "Martyrium der hl. Agnes" eine hohe Flamme überm Haupt des Königs: wieder Feuer aus dem Himmel, Einbruch des Überirdischen. |
| 3. Die Farbe fügt sich abstraken Bildgesetzten ... |
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In den folgenden Jahren beginnt sich die Farbe abstrakten Bildgesetzen zu fügen, wie dies "St.Sebastian" belegt. Grünwald verwendet ausgiebiger den Spachtel. Die vorher brodelnde Farbe verhärtet sich zu mosaikartig an- und ineinander geschobenen Flächen. Nie wie in der "Himmelfahrt des Elias" aus dem Jahre 1960/61 bricht aus der Farbe so intensives Feuer; es schlägt aus den Wagen und züngelt wellenförmig über die Rücken der feurigen Pferde empor. |
| 4. Dann kam die Beruhigung ... |
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Nach dem Erlebnis der chthonischen und chaoitischen Kräfte der Farbe sehnte sich der Maler nach dem festen kompositionellen Gefüge. Welcher Wandel sich gleichzeitig im religiösen Bereich vollzog, können wir nur ahnen. Langsam scheint ein religiöses Weltbild Gestalt angenommen zu haben. Es ist sehr bezeichnend, dass der Künstler nun nach neuen Leitbildern Ausschau hielt. War es in der Epoche der wilden Farbe z.B. Rouault gewesen, traten nun Matisse und Gehr ins Blickfeld. |
| 5. Rouault - nun Matisse - Gehr und etruskische Einflüsse .... |
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Eine "Geisselung" aus dem Jahre 1962 verrät sogar etruskische Einflüsse, Einflüsse jener archaischen Kunst, die mit harter Symmetrie komponierte. Die grosse symbolträchtige Dekoration sollte nun das künstlerische Werk bestimmen und mit ihr die Freude am Fresko erwachen. |
| 6. Der Kreuzweg wurde nun das grosse Thema ... |
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Das pubertäre Aufgewühltsein des religiösen Gemütes voller Teilnahme fürs Böse war der Ergebung gewichen, wofür der Kreuzweg nun das grosse Thema wurde. Schon zu Beginn dieser Epoche schuf Grünwald den herrlichen, leider nicht ganz vollendeten Kreuzweg; dann liess er den Kreuztragenden wandeln. Das Problem des Bösen wurde in den grossen harmonischen Bildern der Stammeltern sublimiert. |
| 7. Welche Richtung die religiöse Malerei eingeschlagen hätte ... |
| Welche Richtung die religiöse Malerei von Grünwald eingeschlagen hätte, wäre der frühe Tod nicht gleich jenen stürzenden Engel und der Flamme überm Haupt des Königs über ihn hereingebrochen, wissen wir nicht. |
| 8. Wäre die Epoche der religiösen Maleri abgeklungen ... |
| nachdem das religiöse Problem irgendwie bewältigt war? Auffallend ist jedenfalls, dass in den allerletzten Jahren vor dem Tod die herrlichen grossen Landschaften, in den sich Nolde und Matisse "vereinigen", bestimmend wurden. Abgesang auf die religiöse Malerei oder letztes Abendrot über der schönen Erde, die Grünwald allzufrüh verlassen musste? |
| QUELLE: Alfred Grünwald: Der Mensch-Das Werk-Die Stiftung, Brig 1976, Rotten Verlag (vergriffen), S.53f. |
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