| Unfairer Tod |
| Pierre Imhasly im Walliser Boten vom 22.August 1966 |
| Aus der Fülle der Presseverlautbarungen zum Tode des Malers Alfred Grünwald seien stellvertretend wie im vergriffenen Buche zwei, die eine von Schriftsteller Pierre Imhasly, die andere von Dr.Peter Rück, Freiburg, wiedergegeben. |
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Er ist lächerlich, er ist unfassbar, er
ist unfair, kennt keine Regeln, lässt Greise stehn und nimmt die Jünglinge.
Schmutziger Tod!
Man muss schon Grösse haben, dagegen zu bestehen. Leicht fällt, Alfred Grünwald diese zu bestätigen. Auch wenn es eine stille Grösse war. Eine, die sich im Opfer zeigte. Das erst Entsagung und dann Leiden hiess. Entsagung für ein Werk, bis es soweit war - und dann abtreten. Das Wissen darum, musste nicht leicht sein: doch daran nicht zu Grunde gehn, war mehr als eine Haltung. Wann ist ein Künstler alt genug? Ich habe noch eine Redaktionsnotiz, wo so schöne Sachen von "zu jung und am Anfang seiner Karriere" darin stehen. Man wusste, dass er den Tod in sich trage: man ahnte, dass er nicht mehr lange schaffen könne, es war ein bitteres Zusehen. Und schien ihm ein so einfaches Ertragen. Weil er wusste, dies wäre sein letzter Sinn. Dem muss so sein. Auch wenn das eine unnütze Kategorie ist - er war nicht unvollendet, als er starb, denn ein Frühvollendeter, behangen mit der ganzen Schwere eines tiefen Loses. Sein Körper nur siechte, sein Geist blieb alert. Weil er glaubte und hoffte. So war er nicht unterworfen, als der Tod ihn holte. So war er nur betroffen, als der Herr ihn zwang zu einer fremden Stunde. Er war ein Mensch. Das ist das Höchste, was man von ihm sagen kann. Ich habe nie einen menschlicheren getroffen. Du wirst tieferen haben, doch sei Dir, armes Bräutchen (Lucie), Trost, was uns andern Gewissheit ist: Er wird weiterleben in seinem Werk. Pierre Imhasly |
| QUELLE: Alfred Grünwald: Der Mensch-Das Werk-Die Stiftung, Brig 1976, Rotten Verlag (vergriffen), S.59 |