| Alfred Grünwald ... |
| Weggefährten von Amédée Chachin |
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1. Ein
Bildhauer - Ein Maler und ein Architekt |
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In der oberen Burgschaft, gegenüber dem
Stockalperschloss, steht ein stattliches Patritzierhaus. Zur Zeit, als Alfred
Grünwald hier im oberen Erdeschoss ein kleines Atelier bezog, gehörte es
Frau Adele von Stockalper. Sie bewohnte es zusammen mit ihrer Tochter Fernanda.
Im Hause hatte bereits seit 1950 Hans Loretan seine Arbeitsstätte
bezogen, einen etwas grösseren Raum, ebenfalls im oberen Erdgeschoss, mit
beschrifteter Holzbalkendecke. Auf einem der Balken steht die Inschrift
"Nirgends ist sichere Ruh', wo nicht ist Christus der Bindbaum der
Stube." Und auf einem anderen Balken stehen die Namen der Erbauer:
"Christianus Franciscus Weginer, Banderetus Brigae, A.Maria Josep.
Manhaft conjuges 1727" (Enkelin des grossen Stockalper).
Es ist ein geschichtsträchtiges Haus, das von Kultur, Reichtum und Würde der Erbauer Zeugnis gibt und Ruhe und verwurzelte Sicherheit ausstrahlt. In dieses Haus zog Alfred Grünwald im Herbst 1952. Hans Loretan war bereits seit 1950 darin, und der Dritte im Bunde zog 1960 in das Haus, als es galt, dasselbe zu restaurieren. So fanden sich denn ein Bildhauer, ein Maler und ein Architekt daselbst zusammen, um eine kurze Wegstrecke miteinander zu gehen. |
| 1. Ein Bildhaus - Ein Maler und ein Architekt |
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Mit Hans Loretan hatte ich schon früh Kontakte und Gedankenaustausch.
Wir machten zusammen kleinere Arbeiten. Die erste war das Bildstöcklein im
Rafji, die zweite der Landbrunnen in Visp, der erst kürzlich versetzt und zu
einer stattlichen Anlage erweitert wurde. Leider aber richtet der wackere
Freiheitskämpfer seine drohende Gebärde nun in eine falsche Richtung. Es war
Präsident Adolf Fux, der Hans diesen Auftrag gab, ein Mann mit grossem
Verständnis und grossem Herzen. Auch Alfred durfte von ihm Aufträge
entgegennehmen. So malte er ein Bild von Visp, von der Lötschbergrampe aus
gesehen. Den Gemeindevätern gefiel es jedoch nicht sonderlich, so dass der Rat
schlussendlich auf den Kauf verzichtete.
Alfred stiess etwas später zu Hans. Er wohnte in der unteren Burgschaft, und so begegnete man sich auf dieser Strasse. Es war ein fast vorsichtiges, scheues Sichkennenlernen. Alfred war es, der den Kontakt suchte. Er wollte Hans seine Arbeiten zeigen, und Hans war davon sofort tief beeindruckt. Auch mich beeindruckten diese Bilder sehr, als ich sie zum ersten Mal sah, ja, ich war fast erschrocken ob der Wucht der Pinselstriche und der Mächtigkeit der Farben. |
| 2. Ein Freundschaftsbund entsteht in einem geschichtsträchtigen Haus |
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Hans legte bei der Hausherrin ein gutes Wort für Alfred ein, und so
konnte dieser in das gleiche Haus einziehen. Von da an war ein Bund geschlossen,
ein Freundschaftsbund, in welchem Alfred wohl selbständig
dastand, aber gegenüber Hans doch stets eine grosse Ehrfurcht und
Ergebenheit zeigte. Nur ein Korridor trennte die beiden Ateliers, und der eine
ging beim andern ein und aus, und die Arbeiten entstanden unter beider wachsamen
Augen.
Unter dem gütigen und wohlwollenden Regime von Frau Adele von Stockalper und später auch unter ihrer Tochter Fernanda herrschte in dem Haus eine wahrhafte Idylle. De zum Dickicht verwachsene französische Garten, in welchem sich die Katzen wie die Raubtiere und die Vögel wie im Paradies benahmen, die mächtigen Kastanienbäume im Vorhof, der im Sommer so kühle gewölbte Gang, die heimeligen Zimmer mit den tiefen Fensternischen, dies alles war der äussere und ausstrahlende Rahmen zu einer wahren und echten künstlerischen Tätigkeit. Im Winter mussten zuerst die eisernen Öfen angeheizt und der Rauch duch die mit Eisblumen verzierten Fenster abgelassen werden, bevor wohlige Wärme auch die erstarrten Geister erwachen liess. Wie oft sind wir an diesen wärmenden Öfen, ein starkes Gebräu schlürfend, gesessen, in ernsten und heiteren Gesprächen miteinander verbunden. Da standen die Bilder und Büsten am Boden und auf Regalen. An den Wänden hingen Gipsreliefs und ungerahmte Bilder. Echte Farben und wahre Formen in scheinbarer Unordnung strahlten einen Geist aus und schafften ein Fluidum, in welchem man die schöpferische Kraft als Nahrung verspürte. Hier wurde aber auch gerungen, gezweifelt, gefragt und gewagt, ja, auch gestritten. Bei zwei so abgegrenzten, selbständigen und starken Künstlern fehlte die Orte der Auseinandersetzung nicht. Es herrschte zwar keine Uneinigkeit, wohl manchmal eine gewisse Meinungsverschiedenheit, die unter Umständen sehr heftig sein konnte. Streit wurde geführt um der Probleme willen, nicht ob der eigenen Meinung. Wenn in einer Wirtschaft bei eim Glas Fendat so ein Disput aufloderte, mochte wohl mancher fremde Gast mit ängstlicher Scheu auf die drei aufgeregten Gesellen geschaut haben. |
| 3. Der bildnerische Schöpfungsakt bei Alfred Grünwald |
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Mit Freunden wurden jeweils die Aufträge einander mitgeteilt. Bei der Entstehung wurde man mit hineingezogen. Erste kritische Feststellungen, Fragen und Antworten wurden ausgetauscht. Bei Alfred waren die ersten Entwürfe immer schon ein fast fertiges Kunstwerk. Er hatte eine gewisse Scheu oder Angst vor der Leinwand oder vor dem Beginnen. Die Vorarbeiten spielten sich lange vor Arbeitsbeginn in Form von Zeichnungen und Holzschnitten ab. Als er dann begann, kam seine Kraft aus einer fast plötzlichen Eingebung heraus.Eine ungeheure Kraft, die sich in Formen, aber erst recht in den Farben mächtig darstellte. Da gab es gewöhnlich nicht mehr viel zu werweisen oder zu verbessern. Es gab kein Pröbeln, kein Herumdoktern an einem Bild. Der Wurf war da, das Werk war geboren, die Wehen hatten sich vorher vollzogen. In einer solchen Geburt lag all seine Kraft, all seine Fähigkeiten, die geistigen, die intuitiven und die sinnlichen. Das Bild war ein Schöpfungsakt, und damit war es fertig. Wohl kam es vor, dass der eine oder andere Betrachter an diesem oder jenem Detail Anstoss nahm, an einer Hand etwa, die etwas krüppelhaft gemalt war, oder an einer Nase, die einer holden Brigerdame als nicht ganz die eigene vorkam. Wer das Bild aber betrachtete und in sich aufnahm, dem offenbarte es das Wesentliche, das Typische, all das eingebettet in Farben, wie man sie kraftvoller kaum jemals gesehen hat. |
| 4. Im Atelier entstanden in den Jahren 1951-1958 ... |
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Im stillen Atelier entstanden in den Jahren 1951-1958 eher
naturalistische Bilder: viele liebgewordene Darstellungen aus Brig und Umgebung,
das Stockalperhaus, in welchem er arbeitete, das Atelier, der Korridor, das
Treppenhaus, dazwischen Portäts edler Damen, aber auch ab und zu
dasjenige einer Kellnerin, Porträts von Freunden, von Männern von der Strasse,
von Randfiguren. Im kleinen Atelier gingen viele ein und aus. Es lebte.
In diesem Atelier aber sass Alfred auch manche stille Stunde, versunden in Bücher und Gedanken, seine Werke vorbereitend und durchdingend. Er hatte das Glück, frei und ungebunden leben zu können, und er benutzte diese Freiheit ganz zur Vollendung seines Werkes und zur Abrundung seiner Persönlichkeit. Die religiöse Literatur nahm einen breiten Raum ein: Govanni Pappini, Léon Bloy, Bernanos waren bevorzugte Schriftsteller. Auch wir profitierten von seiner so ausgefüllten Freizeit. In den Diskussionen konnte er uns mit durchdachten Aspekten überzeugen. In seinen besinnlichen Stunden reiften Ansichten heran, die uns stärkten und bereicherten und manchen Mangel, erzeugt durch die eigene Unrast in der beginnenden Hochkonjunktur, wiedergutmachten. Seine religiösen Bilder waren jeweils tiefe Offenbarungen. Alfred war für uns eine Gnade und ein Geschenk Gottes. |
| 5. Mit dem Umzug in ein grössres Atelier fand 1960 ein Wandel statt |
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Als im Jahre 1960 ins Haus zog, musste Alfred ein grösseres Atelier haben. Seine Arbeiten waren angewachsen, der Platz wurde zu knapp. Im Nebengebäude eignete sich ein Raum vorzüglich. Er wurde hergerichtet, und Alfred arbeitete fortan hier. Es fand aber auch ein Wandel in der Malerei statt. Vom ehr Naturalistischen ging es allmählich über ein flächenhaftes Malen. Wahrscheinlich führten seine Aufträge zu diesem Wandel. Die Farbigkeit seiner Malerei eignete sich vortrefflich für die Glasgemälde, und darin war Alfred ein Meister, obwohl es ihn mehr zur Wandmalerei hinzog. Seine ersten Glasfenster konnte Alfred mit mir in der Kirche von Albinen ausführen. Sie stellten die sieben Sakramente in kraftvoller, einnehmender Symbolik dar. Dann waren es die Glasfenster in der Kirche Hohtenn, die sein Bruder Felix baute, die Glasfenster der Spitalkapelle von Brig (heute in der Stadt- und Kantonsbibliothek, wo der Alfred Grünwald Saal sich befindet) und viele andere.Heute ist es schwierig, einen Ersatz für die Ausführungen derartiger Aufträge zu finden. Der Verlust von Alfred Grünwald scheint unersetzlich. Unbegreiflich und schmerzhaft waren daher die harten Kritiken von Laien und vermeintlichen Sachverständigen. Die 60er Jahre waren für den Kirchenbau im Wallis eine kritische Zeit. Alles Neue wurde, obwohl unterschiedlich, abgelehnt. |
| 6. Die sogenannte geistige Elite des Wallis war nicht immer geistreich |
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Es scheint, dass, wenn ein bereits publizistisch anerkannter Name hinter dem Werk stand, dasselbe Gnade fand. Alfred war kein anerkannter Künstler, und unter der ungerechten und verständnislosen Kritik litt er sehr, und wir mit ihm. Ein Bespiel möge hier für viele gelten: Eines friedlichen Sonntagmorgens erschien in der "Tribune de Lausanne" ein langer Artikelm, in welchem die Oberwalliser Kirchen beschrieben wurden. Die zur sogenannten Elite des Wallis gehörende Corinne Bille beschrieb die Eindrücke, welche sie zusammen mit ihrem Mann Maurice Chappaz, Abbé Crettol u.a. auf einer Reise zu den Oberwalliser Kirchen erhalten hatte. In abschätzenden Worten wurde Kritik geübt und manches ins Lächerliche gezogen. Am meisten Unrecht geschah dabei Alfred. In Hohtenn hatte er prachtvolle Glasfenster ausgeführt, und man lese, was Corinne Bille im besagten Artikel darüber schreibt: "Ici, des vitraux de Grünwald, on dirait un découpage d'enfant dans une matière vulgaire. Ce sont des verres de véranda, de salle de bains. Les Martiens à la gymnastique ... ricane Chappaz devant Adam et Eva. Perdu dans la contemplation d'un vaste coeur framboise, Jean Quindodz: La servante du curé qui fait les confitures. C'est du Saint-Sulpice à rebours, ai-je mumuré, mais tout aussi navrant. C'est pire!" Man kann sich die Niedergeschlagenheit vorstellen, die uns alle drei nach soviel Ungerechtigkeit bedrückte. Wir sassen zusammen in ehrlicher Empörung, ja, wir verfassten sogar ein Antwortschreiben. Es wurde uns zurückgeschickt. In unserer Presse war kein Wort der Aufmunterung zu lesen, im Gegenteil. Aber für einen so ehrlichen und redlichen, ja, gottbegnadeten Maler wie Alfred konnte dies kein Halt und keine Wende bedeuten. Seine Kunst kam nicht aus Sophistereien heraus, sie kam aus seinem Innersten, sie hiess Alfred Grünwald. |
| 7. Unvergesslich die Atelierfeste in der Fastnachtszeit |
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Ärger und Misslichkeiten glichen wir aus durch heitere Feste und geselliges
Zusammensein. Das frohe Wesen Alfreds erheiterte alle. Schlechte Laune war bei
ihm unbekannt.
Unvergesslich waren die Atelierfeste, die wir jeweils an Fastnacht inszenierten. Schon die Einladung war ein Kunstwerk. Entweder war es ein Holzschnitt oder ein Linolschnitt. Für Alfred einfacher auszuführen, aber für die Geladenen schwieriger zu lesen, wurde die Schrift im Positiv geschrieben und im Negativ gedruckt und konnte so nur mittels eines Spiegels gelesen werden. So wurde etwa eingeladen: "Zu den Loretannen im grünen Wald". Die Geselligkeit wurde stets von Alfred auf der Höhe gehalten. Er war ein Animator mit Sinn für Rhythmus, Tanz und Gesang. Dazu lieferte er zugleich die Dekorationen mit, auch diese kleine Kunstwerke, mit raschen Pinselstrichen auf Packpapier gemalt. Mitten im geselligen Zusammensein verlangte er oft ein Stück Papier, einen Bleistift. Rasch strich sein Stift über das Blatt, um irgend einen Augenblick festzuhalten, eine Gebärde, eine Bewegung, ein Gesicht. Sein schöpferischer Geist war stets gegenwärtig und augenblicklich ansprechbar. |
| 8. Gemeinschaftliche Werke, mit Reaktionen bis in die "NZZ" |
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Wie oft durchzogen wir Drei gemeinsam unser Wallis, besuchten die
Dörfer, Kirchen und Kapellen. Als Hans und ich das Kapellchen in Mühlebach
bauten, mussten wir das Autostoppen zu Hilfe nehmen. Die Hochkonjunktur war noch
nicht geboren, und ich fuhr noch mit dem Fahrrad täglich nach Visp in mein
kleines Büro. Wir fanden einen Belgier mit einem langen, breiten Ford, der uns
mitnahm. Er hat in Brig in einem Hotel übernachtet und schimpfte über die
Bedienung und die Preise und schwor, niemals mehr in Brig halten zu wollen. Wir
beschwichtigten ihn, so gut wir konnten und versuchten, einiges
wiedergutzumachen, was uns sicher gelang, denn Alfred war ein fröhlicher
und einnehmender Mensch.
In Mühlebach also entstand das Antoniuskapellchen. Alfred hatte farbige Studien gemacht, aber als es stand, ging der Teufel los. Bis in die "NZZ" hinein wurden die Proteste getragen, und auch unsere Blätter übernahmen sie. Eines Nachts wurde es dann wieder entfernt, damit die Gemüter Ruhe hatten. Merkwürdig, wie die Leute gegen die Ergüsse unserer Zeit zetern konnten, gleichzeitig aber ihre stattlichen Häuser und Stadel mit Blech eindeckten und Breschen in die Wände schlugen. Ein anderes gemeinschaftliches Werk waren die Beichtstühle in der Kirche von Glis. Alfred zeichnete die kräftigen und passenden Symbole, wie das vom dürren und vom fruchtbaren Baume, vom Hirsch an der Wasserquelle, vom stolzen Pfau, und Hans schnitzte sie in hartes Holz. In unseren Arbeiten lag eine gewisse Unbekümmertheit, eine Unmittelbarkeit, die aus der neuen Zeit heraus arbeitete, so etwa wie beim Wechsel von Stilen und Epochen zum Beispiel das Barock unbekümmert die eigenen neuen Altäre in gotische Umgebung setzte, ja, sogar ganze Bauwerke zerstörte, um selbstbewusst die eigenen an deren Stelle zu setzen. Heute sind die Ansichten geteilt. Unruhe und Unsicherheit ist in den Menschen gefahren. Das Selbstbewusstsein scheint geschwunden. |
| 9. Die Grosszügigkeit von Alfred war sprichwörtlich |
| Seinen Bekannten verkaufte er die Bilder fast umsonst. Bei einem Besuch beim Ofenbauer Grichting in Agarn stand ein schönes geschnitztes Kruzifix auf einem verstaubten Regal. Wir zollten ihm unsere Bewunderung, und Herr Grichting nahm es kurzerhand vom Regal und schenkte es Alfred. Auf der Heimfahrt dann bemerkte ich, dass ich mich auch einmal nach so einem Kruzifix umsehen werden. Und Alfred nahm es, gab es mir und sagte: "Da nimm es, ich habe bereits ein ähnliches". |
| 10. Begegnung mit Ministerpräsident Bidault und Bildhauer Probst |
| Hans, Alfred und ich machten zusammen viele Reisen und Ausflüge. Wir besuchten Kunstausstellungen, Bauwerke, Künstler und Kollegen. Als wir Ronchamp besuchten, leisteten wir uns für eine kurze Strecke den "Mistral" der französischen Staatsbahnen und befanden uns unversehens in der Gesellschaft des damaligen Ministerpräsidenten Bidault. Fräulein Mathilde von Stockalper machte uns mit dem Bildhauer Ernst Probst bekannt, einem Patriarchen unter den Bildhauern, ein urkräftiger und ureigener Künstler. Er war uns sehr gewogen, und wir durften ihn in seinen Ateliers in Genf und Vira besuchen. Seine Worte gaben uns Sicherheit, Aufmunterung und Bestätigung. |
| 11. Alfred begab sich von Zeit zu Zeit allein auf Studienreisen ... |
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Wir warteten mit Ungeduld auf seine Rückkehr, war damit doch eine grosse Bereicherung auch für uns verbunden. Seine vollgezeichneten Skizzenbücher vermittelten uns seine Eindrücke, kunstvoll dargestellt, und seine lebendigen Schilderungen liessen uns dieselben miterleben. Unvergesslich die Skizzen aus der Bretagne mit den eindrücklichen christlichen Grabdenkmälern. Auf den Reisen holte Alfred sich Impulse, die in den nachfolgenden Bildern jeweils sichtbar wurden. So hatte sein Aufenthalt in Florenz eine Änderung in der Porträtskunst bewirkt. Wir erlebten gemeinsam des einen und anderen Wachsen und Werden. |
| 12. Die Krankheit Alfreds und die letzte Ausfahrt von uns Dreien |
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Wir blieben zusammen und nahmen teil an des einen und des anderen Freunde und Sorge. Dabei war die Sorge um die Existenz jeweils nicht die letzte.Und plötzlich tauchte dieses Gespenst auf, die Krankheit Alfreds. Zuerst noch ein gewisses Unwohlsein, machte es schon bald einen ersten Spitalaufenthalt notwendig. Alfred war mitten in seiner Arbeit, die Aufträge hatten sich gemehrt. Als er aus dem Spital wieder heimkam, erfasste uns alle neue Hoffnung. Ich schritt mit ihm die Burgschaft hinauf, und oben im Atelier erwartete uns Hans. Nach alter Freundschaftssitte sassen wir zusammen und hofften in die Zukunft, wir bangten jedoch um ihn. In Jeizinen sollte Alfred die Kapellenwände bemalen. Architekt Werlen hatte sich sehr für ihn eingesetzt; aber Alfred war schon schwach geworden. Oft sitzend, führte er die Arbeiten aus, und Kunstmaler Dreesen half ihm, so gut es ging. Hans und ich sahen ihn in beklemmender Trauer mehr und mehr dahinschwinden. Die Kirche in Brig wurde gebaut. Frau Adele von Stockalper hatte 50'000 Franken daran gespendet mit dem Wunsch, dass ihre beiden Künstlermieter beim künstlerischen Schmuck herbeigezogen würden. Alfred hoffte und befasste sich vom Tode gezeichnet mit Eifer und Hingabe an diesem Werk. Er schilderte uns seine Pläne, wie er die Nischen bemalen wollte. Aber es sollte nicht sein. Als Alfreds Mutter, Hans und ich ihn mit meinem alten Studebaker zum zweiten Male in das Spital fuhren, sagte er in meinem Wagen: "Der Wagen ist gut und recht, aber man hat nichts, um seinen Kopf hinzulegen." Kopfstützen waren damals noch unbekannt. Seine Schwäche war erschütternd. Wir fuhren langsam an. Unserer Lieben Frau vom Glisacker vorbei nach Gamsen und Eyholz nach Visp. Es war die letzte Ausfahrt von uns Dreien. |
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13. Die grosse Liebe - Lucie |
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Eines Tages teilte Hans mit, Alfred habe ernsthafte Bekanntschaft. Wir waren neugierig, ja, fast etwas eifersüchtig. An kritischen Beobachtungen fehlte es nicht. Wir wünschten Alfred wirklich nur das Beste. Er hatte es gefunden. Leider war die Zeit der jungen Liebe kurz bemessen. Sie wurde eine Zeit der Schmerzen und der Aufopferung bis zum bitteren Ende. Am 14.August 1966 , am Vortage von Maria Himmelfahrt, ist Alfred von uns gegangen. Amédée Cachin |
| QUELLE: Alfred Grünwald: Der Mensch-Das Werk-Die Stiftung, Brig 1976, Rotten Verlag (vergriffen), S.19-26 |