| ALFRED GRÜNWALD STUBE .. | |
|
- Wenn Kulinaria und Tafel-Kultur, Ambiente und Gast-Geber-Profil harmonieren ... |
|
| Gilbert Pacozzi im Walliser Boten vom 14.April 2001,S.15 | |
| Wenn Kulinaria und Tafel-Kultur, Ambiente und Gast-Geber-Profil harmonieren ... | |
| ist es für den Gast ein Voll-Treffer. Dieser Leitsatz der Gastlichkeit ist bekanntlich nicht neu. Aber allzu oft wird er nur mit der Präsentation der Speisen in Verbindung gebracht. Die ebenso wichtige räumliche Umgebung und Atmosphäre wird dabei nicht selten ausser Acht gelassen. Noch immer gibt es zahlreiche Etablissements mit ausgezeichneter Küche, aber dürftiger Einrichtung und Ausstattung, so sind beispielsweise bei der Wahl des Restaurants nicht nur die kulinarisch einwandfreie Leistung, sondern auch die Ambiance und Atmosphäre, die ein Lokal ausstrahlt und verbreitet, mitbestimmend und ausschlaggebend. Und dies trifft immer mehr nicht nur mehr für die Tourismus-Branche und die Hotellerie und Restaurantions-Betriebe zu, sondern zunehmend für jegliche Art von Unternehmen. | |
| Gestalterische Hauptfehler beim Restaurantausbau ... | |
| Wer glaubt, dass ein Restaurant allen Leuten gefallen soll, geht völlig fehl. Allen Leuten recht getan, ist auch hier ein Kunst, die niemand kann. Kompromisse sind nie ein taugliches Gestaltungsmittel. Vielmehr plädieren wir dafür, dass man zündende und originelle Ideen, sofern vorhanden, konsequent verwirklicht werden. Dabei soll man keinen gängigen "Look" nachbauen, sondern den Mut zu einer individuellen Gestaltung forcieren. Nicht nur Formen, sondern auch Farben sind spektakulär. Schwarze Eichen-Balken (Styropol/Kunststoff) samt Wagenrad, Dreschflegel oder auch eine Mistgabel machen noch kein gemütliches Lokal. Aber auch Kunst an den Wänden macht aus einer bescheidenen Gaststätte noch kein nobles oder gehobenes Lokal. | |
| Ambiance ist mehr als Dekoration ... | |
| Ein Raum braucht eine Struktuierung, eine optische Ordnung, um einladend zu wirken. Um ein Konzept konsequent durchführen zu können, ist es allerdings wichtig, dass man den Innenarchitekten nicht erst nach der Fertigstellung des Baus oder Umbaus zuzieht, sondern schon in der Anfangs- und Planungsphase ein Dialog entsteht. Wie gekocht und serviert wird, ist aber immer wichtiger. Wenn, das auf dem Teller und aus dem Keller geboten wird mit der Ausstattung und der Atmosphäre harmoniert, ist es natürlich am schönsten - für Gast und Gastgeber! | |
| Beispiel: Alfred Grünwald Stube im Restaurant Schlosskeller ... | |
| Atmosphäre, in welcher Art auch immer, ist erwünscht, denn sie lässt den Alltag vergessen, erleichtert Gespräche von Mensch zu Mensch, verschafft leichter Kontakte. | |
|
|
| Ein gelungenes Beispiel, wo Atmosphäre und Gastleichtkeit ein harmonisches Ganzes bilden, ist die stilvolle "Alfred Grünwald Stube" im Restaurant Schlosskeller in Brig, dem oberwalliser Hauptort des zweisprachigen Kantons Wallis. Und der Gastronomie-Führer "Passeport Bleu Suisse" stimmt ein: "Wahrlich, hier haben Atmosphäre und Genuss ehrenwerte Tradition und Mediterranes wurde über die Alpen geholt. Im alles überragenden Stockalperpalast wird eine nicht alltägliche gastronomische Vorstellung inszeniert." | |
| Gefragt sind Räume zum Erholen und Atem holen ... | |
| Dort will man sich verpflegen, aber auch Kontakte schaffen oder Musse suchen. Deshalb soll ein Lokal keine anonyme Ausstrahlung besitzen, sondern phantasievoll und abwechslungsreich gestaltet sein. Denn Gastlichkeit ist immer ein soziales, biologisches und psychologisches Ganzheits-Erlebnis. Man kann auch mit kleinen Dingen, die nicht viel kosten, viel erreichen. Zum Beispiel mit einer Differenziertheit der Gestaltung, indem man Tischdecke und Speisekarten regelmässig ändert oder in Hotels nicht jedes Zimmer gleich einrichtet, sondern jeden Raum sein individuelles Gepräge gibt mit Farben, Materialien und Möblierung oder Dekoration. Dabei ist die Nostalgiewelle eine verständliche Reaktion auf die Übertechnisierung unserer Zeit, dass heute deshalb Rustikalität und eine gewisse Romantik gefragt sind. Gastlichkeit soll damit über den materiellen Konsum hinaus Sehnsüchte in Erfüllung bringen, E-Motionen auslösen und wecken ... | |
| Uni-Form-ität und Massen-Abfertigung ein Greuel ... | |
| Vereinheitlichung und Massenabfertigung sind (nicht nur) dem Gast ein Greuel, die Automatisierung und Standardisierung sollen ihm nie sichtbar gemacht werden. Die individuellen Bedürfnisse des Gastes werden leider heute immer weniger befriedigt, wie die vielgepriesene Kundenorientierung in der Wirtschaft sehr oft mit der Realität nicht übereinstimmt. Das Einheits-Schema auch beim Einrichten von Restaurants wird gefördert und frustriert damit den Gast, der das Essen nicht auf biologische Notwendigkeit reduziert haben will. Architektur wird ebenfalls konsumiert, sie wirkt, ob wir wollen oder nicht, ständig auf uns ein. Deshalb ist es auch wichtig, dass ein Restaurant nicht nur technisch funktioniert, sondern der Raum eines sympathische, anregende, ja sinnliche - Essen ist ja ein sinnliches und genussvolles Vergnügen - Ausstrahlung auf uns, den Gast ausübt. Dies gilt genauso für jeden anderen Kultur-Raum, in dem etwas präsentiert und ausgeführt wird, von der Galerie, den verschiedenen Museums-Typen bis hin zum Theater und all den anderen Bühnen der Welt, wo etwas in Szene gesetzt wird. | |